Das neue Modellprojekt der Aktion Gemeinwesen und Beratung e. V.
Das neue Modellprojekt der Aktion Gemeinwesen und Beratung e. V.

Im migrationspolitischen Diskurs wird unsere Gesellschaft zunehmend als transkulturell beschrieben, um die sich stetig wandelnden Verflechtungen von Kulturen jenseits nationaler und ethnischer Grenzziehung hervorzuheben.
So integrieren beispielsweise viele muslimische Mädchen sowohl Kopftuch als auch Minirock in ihren Alltag. Dies zu reflektieren, fällt vielen Jugendlichen jedoch schwer. Die Festlegung auf nationale, ethnische, religiöse Gruppenidentitäten und damit verbundene Stigmatisierungserfahrungen sind bemerkenswert stabil. Je geringer gesellschaftliche Teilhabe und berufliche Partizipationsmöglichkeit, umso größer die Tendenz zum sozialen Rückzug in monokulturelle Identitätsräume, die ihre Zukunftschancen weiter einschränken. Auch im bevölkerungsreichsten Düsseldorfer Stadtteil Bilk sind wir täglich mit Entwicklungen dieser Art konfrontiert.

 

Die Diskussion um (außer-)schulische Förderung hat jedoch einen Schwachpunkt hinsichtlich eines geschlechtsspezifischen Problems, das zwischen Jungenförderung und formaler Gleichstellung kaum thematisiert wird: Die schicht-, milieu- und migrationsbedingte Bildungsbenachteiligung bei Mädchen. Dies bedeutet eine doppelte Diskriminierung. So drohen im Kontext der „Bildungsgewinnerinnen“-Debatte jene Mädchen unterzugehen, die schon früh in ihrem Lebenslauf im Spannungsfeld zwischen familiären Anspruch und gesellschaftlichem Druck kaum individuelle Förderung erfahren. Sie schaffen es selten, eigene Perspektiven zu artikulieren. Unsere konkreten Erfahrungen in der sozialen Arbeit zeigen deutlich, dass selbst die Mädchen, die sich im schulischen Alltag gut zurechtfinden an der Schwelle zum berufsbildenden System keine selbstbewussten beruflichen Perspektiven entwickeln können. Sie lassen sich von Zuschreibungen tradierter Frauenbilder verunsichern und vereinnahmen. Zuschreibungen, die darüber entscheiden wie „eine türkische, eine deutsche, eine marokkanische oder kenianische Frau“ zu sein hat. Entweder streben die Mädchen keine Berufsausübung an und geraten in materielle und soziale Abhängigkeit von Partner, Elternhaus oder SGB II. Oder sie verbleiben in ihrer Wahl mangels Alternativen konzentriert auf ein frauenspezifisches Berufsspektrum mit geringem Einkommen ohne Aufstiegschancen. Dies begründet wiederum den Zwang zur Rückkehr in Versorgermodelle. In jedem dieser Fälle neigen die Mädchen dazu in einer fatalistischen Geschlechteridentität verhaftet zu bleiben. Dadurch verlieren sie viele Anschlussmöglichkeiten, die sie aufgrund ihrer Ressourcen eigentlich haben und für sich und ihre soziale Umwelt sinnvoll einsetzen könnten.

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